Labyrinth der Illusionen

Als einziger deutschsprachiger Film im Festivalprogramm des filmPOLSKA ist Tiere schon fast ein Exot. Der Film feierte auf der diesjährigen Berlinale seine Premiere. Schon bei der Berlinale polarisierte Greg Zglinskis Mysterythriller – die einen verglichen ihn mit den Filmen von David Lynch und Alfred Hitchcock, andere konnten nichts damit anfangen. Zugegeben – Tiere macht es einem nicht leicht. Die Handlung beginnt wie ein durchschnittlicher ZDF-Thriller und verläuft sich immer mehr in einem Labyrinth der Illusionen.

Ein junges Ehepaar möchte ihre wiener Wohnung für ein halbes Jahr verlassen, um sich an der frischen Schweizer Luft ihren Leidenschaften zu widmen. Nick will für ein schweizer Kochbuch recherchieren und Anna schreibt an einem Roman. Sie führen eine triefend stereotype Ehe. Nick trägt für Anna schon lange nicht mehr die Koffer nach oben und betrügt sie stattdessen mit der Nachbarin Andrea, von der er sich aufgrund seines Auslandsaufenthalts in der Schweiz aber trennen muss. Anna ist verzweifelt und verliert nach und nach den Verstand. Um ihre Wiener Wohnung soll sich in ihrer Abwesenheit Mischa kümmern, die Andrea merkwürdigerweise zum Verwechseln ähnlich sieht. Ein Doppelgängermotiv, welches sich durch den ganzen Film zieht.

Auf der Autobahn Richtung Schweiz, spielen Anna und Nick ein Spiel namens „Tiere“, in denen so viele Tiere wie möglich mit dem gleichen Anfangsbuchstaben genannt werden sollen. Mit Tieren scheinen die beiden es allerdings nicht so zu haben – zuerst stirbt ein Goldfisch, dann überfahren sie ein Schaf und anschließend begeht ein Vogel in ihrem Haus „Selbstmord“. Es ist genauso skurril, wie es klingt. Bei dem Autounfall mit dem Schaf erleidet Anna eine Gehirnerschütterung, Nick bleibt unverletzt. Doch plötzlich beginnt Annas Welt zusammen zu brechen – hat sie wirklich schon seit zwei Wochen nicht mehr geschrieben? Es kam ihr doch so vor, als wäre es gestern gewesen. Was treibt Nick mit der Eisverkäuferin und warum sieht diese auch aus wie die Nachbarin Andrea? Spätestens als eine Katze anfängt mit Anna zu sprechen, ist sie sich sicher, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Weder die Protagonisten noch die Zuschauer wissen, ob es sich dabei um Träume, Erinnerungen oder Zukunftsvisionen handelt, da der Plot zunächst auf zeitlicher Ebene, später aber auch in räumlicher Ebene bricht – postkinematografische Strukturen, die an „Inception“ oder „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ erinnern. Diese manipulativen plot-twists generieren eine intensive Spannung und die Grenzen von Realität und Illusion verschwimmen. Steckt hinter all den Ereignissen eine Verschwörungstheorie oder macht Annas Roman das Portal zu den Fantasien auf? Eine Quintessenz bleibt aus.


Schreib uns Deine Meinung!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s