Dieser Papagei ist nicht mehr. Er hat aufgehört zu existieren.

„Ist hier irgendwo noch ein Sitzplatz frei?“ Nein, der Film ist ausverkauft. Mehr als das: Die Zuschauer drängen sich in den Saal um ein Fleckchen Sitzfläche auf den Treppen zu erwischen. Dass der Film als Highlight des Festivals gilt, hat sich wohl rumgesprochen. Hoffentlich sind die Erwartungen nicht zu hoch – das soll gute Filme ja schon kaputt gemacht haben.

The Last Family erzählt die außergewöhnliche Geschichte der Familie Beksiński. Der Vater ein berühmter Maler surrealistischer Bilder, der Sohn bekannter Filmübersetzer (u.a. Monthy-Python- oder James-Bond-Filme) und Kultradiomoderator. Dazwischen: Die Mutter. Im Zimmer nebenan: Zwei sterbende Großmütter.

Der Film beginnt 1977, nach dem Umzug der Familie von Sanok in einen WarschauerPlattenbau. Der neurotische, lebensmüde Sohn wohnt eine Platte weiter, man ist schnell bei ihm. Das rettet ihm so einige Male das Leben.

„Alle sind da. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist“, fasst die Großmutter den Kerninhalt des Films treffend zusammen. Man lernt die Beksińskis kennen und begleitet sie bis zum Tod des letzten Familienmitglieds. Man verfolgt ihr Leben und Sterben aus zwei Perspektiven: Der des Regisseurs und der von Zdzisław Beksińskis selbst. Seit der Geburt seines Sohnes filmte er Ereignisse in seiner Umgebung. Die Reinszenierung des Archivmaterials in Verbindung mit den nachgestellten Aufnahmen der Handkamera Beksińskis gelingt dank der herausragenden Leistung der Schauspieler.

Mit schwarzem Humor verfolgt das Spielfilmdebüt Jan P. Matuszyńskis das tragische Schicksal der Familie und erreicht damit seine Idealvorstellung eines guten Films: „Es muss diese Spannung haben. Es muss sonnige Augenblicke und tragische Momente haben“, erklärt er in einem Interview.

Als die Lichter im Saal angehen scheint es, als hätte er damit auch die Erwartungen der Kinobesucher erfüllt. Einige verlassen mit ergriffenem Blick den Vorstellungsraum. Ob das nun an zwei Stunden auf dem Boden sitzen oder dem emotionalen Ende des Films liegt, ist schwer zu erkennen. Der Kinoabend hinterlässt ein Stechen im Rücken, das man für diesen außergewöhnlichen Film gerne in Kauf nimmt