Glaube ohne Hoffnung

Glaube kann bekanntlich Berge versetzen; nicht so im aktuellen Film des polnischen Regieveteranen Krzysztof Zanussi. In Foreign Body (Obce ciało) bringt jeglicher Glaube den Berg zum Einsturz.

Als die Polin Kasia (Agata Buzek) trotz vehementer Einwände ihres Vaters beschließt, Nonne zu werden, bleibt ihr nichts anderes übrig, als die liebevolle Beziehung zum intelligenten, charmanten und gutaussehenden Italiener Angelo (Riccardo Leonelli) zu beenden. Dieser, selbst ein praktizierender Katholik, nimmt ihren Entschluss überraschend gelassen hin und beschließt kurzerhand, sich einen Job in einem großen Energiekonzern in Warschau zu sichern, um möglichst nahe an seiner Geliebten zu sein. Warum Angelo in die polnische Hauptstadt zieht, mag noch nachvollziehbar sein, die Motivation Kasias, ins Kloster zu gehen, bleibt hingegen ein Mysterium. Ihr Vater ist Atheist, ihre Beziehung mit Angelo ist perfekt. Der Italiener nimmt eine Stelle in einem großkapitalistischen Energieunternehmen an und muss sich mit seiner Vorgesetzten, der zynisch skrupellosen Kris (Agnieszka Grochowska), auseinandersetzen, die ihn einzig aus selbstsüchtigen und sadistischen Beweggründen schikaniert und dabei die wahre Gefahr für sich übersieht.

Angelo erträgt die Erniedrigungen, weil sein (religiöser) Glaube stark ist und die Hoffnung ihn antreibt, in naher Zukunft wieder mit Kasia vereint zu sein. Er wird als treuer und herzensguter Mann dargestellt, daran besteht kein Zweifel. Auch ist er das, was einer Identifikationsfigur am nächsten kommt, denn Kasias Figur bleibt nicht nur vage gezeichnet, sondern hat auch schlicht zu wenig Leinwandzeit, um als Zuschauer eine Beziehung mit ihr einzugehen. Kris ist der personifizierte Teufel, und der Durchschnittszuschauer ist kein Satanist. Zanussi stilisiert Angelo (dessen Name nicht zufällig Engel bedeutet) als eine Art Jesus auf dem Leidensweg auf den Hügel Golgota. Dort angekommen verliert Angelo alles, woran er geglaubt hat; sein Wille wird gebrochen. Aber da ist es schon zu spät. Das Zuschauerinteresse an Angelo ist unwiederbringlich gesunken, seine letztendlich doch naive Sichtweise auf die Welt und seinen Glauben raubt ihm den letzten Funken an Glaubwürdigkeit.

Falls Zanussi die Absicht hatte, starke und emanzipierte Frauenfiguren zu zeigen, die sich in einer patriarchalen Welt behaupten und ihre eigene Entscheidungen treffen können, dann ging das nach hinten los. Die Frauen sind die Bösen und Selbstsüchtigen, die den gutherzigen Mann ruinieren, nicht weil er es verdient hätte, sondern weil sie es können. Fernab vom Feminismus, ist Zanussis 83. Regiearbeit ein pessimistisches und misogynes Werk.


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