Verworren im Walde

Forst (Krzysztof Majchrzak) könnte auch gut vor einem Berliner Underground-Technoclub stehen. Piercings, Irokesen-Schnitt, Schädeltattoo und roter Fächer. Der erfolgreiche Unternehmer mag es extravagant. Auf dem Spiegel seines Motorrads zieht er noch schnell eine Line, bevor er seinen Arbeitstag damit verbringt, Autorennen und Boxen auf zwei Bildschirmen gleichzeitig zu schauen.

Eines Tages reißt sich Forst seine Piercings raus, rasiert sich eine Glatze und geht in den Wald. Dort lebt er in einer kleinen Baracke und jagt Kaninchen und Biber. Doch hier scheint es ihm nicht besser zu gehen als in seinem alten Leben: Er ist verwahrlost und schrammt immer wieder knapp am Suizid vorbei.

Mit der Prostituierten Nata (Olga Bołądź), die an der Straße um die Ecke auf Freier wartet, beginnt er eine väterliche Freundschaft. Ihrer kindlichen Art lockt sie eine zarte und verletzliche Seite aus dem verbitterten Mann hervor. Als Nata von rivalisierenden Zuhältern erschossen wird, gräbt sich Forst kurzerhand in den Waldboden seiner Baracke ein.

Da steht auf einmal die 13-jährige Jadzia (Marysia Blandzi) vor seiner Behausung. Zusammen mit dem dreibeinigen Hund Kroko führen sie nun eine Art Familienleben im Wald. Aber immer wieder holen Forst die Geister seiner Vergangenheit ein und es braucht mehrere Anläufe bis er den wahren Wert seiner Beziehung zu Jadzia erkennt.

Forest, 4 am ist ein ungewöhnlicher Film über Familie und väterliche Liebe. Sein Hauptcharakter bringt durch sein merkwürdiges Verhalten eine bittere Komik in die dramatische Story. Doch die schauspielerische Leistung von Krzysztof Majchrzak kann den wenig nachvollziehbaren Plot leider nicht kompensieren.

Die Gründe für Forsts Ausstieg bleiben fast vollkommen im Dunkeln. Unklar ist auch, wie der schrille Unternehmer die nötigen Fähigkeiten erlernt hat, um völlig autark im Wald zu überleben. Es ist sehr unrealistisch, dass ein junges Mädchen ohne jegliches Zögern bei einem nicht gerade einladend aussehenden älteren Mann einzieht, der außerdem just aus einem Loch in der Erde gekrochen kommt. Nach dem Film bleiben viele Fragen offen. Diese regen jedoch nicht zum Nachdenken oder Fantasieren an, sondern erzeugen ein unbefriedigendes Gefühl. Mit wenig Dialogen und viel Verwirrung verschwendet der Regisseur Jan Jakub Kolski einen großartigen Schauspieler an eine vollkommen verworrene Geschichte.

 


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