Berlin: Tag 4 – Der Tag danach

Habe mir für heute keinen Wecker gestellt, bin ja gestern erst um 4 Uhr morgens ins Bett gefallen. Brauche meinen Schönheitsschlaf. Als ich dann endlich aufstehe, fühle ich mich etwas verkatert und wenig in der Lage, etwas Konstruktives über den Film (The Happiness of the Wolrd; Szczęście świata), den ich gestern vor der Party gesehen hab, zu schreiben. Kaufe mir eine Flasche Wasser, um den kleinen Aschenbecher in meinem Mund zu neutralisieren, gelingt nur bedingt.

Nach unserem Workshop-Treffen verspüre ich wieder einen gesunden Appetit und habe Lust auf Asiatisch. Ich lande beim Thailänder an der U-Bahn Oranienburger Tor (genauer weiß ich es nicht mehr). Tom Kha Gai als Vorspeise – ein Traum. Die Mischung aus Zitronengras, Ingwer und Koriander ergibt einen leicht pikanten Nachgeschmack. Er erinnere mich an meinen Thailand-Urlaub, der zwar schon etwas zurückliegt, aber an den ich eigentlich nur positive Erinnerungen habe – eine Magenverstimmung, die mich für 2 Tage flachlegte, gehört allerdings nicht dazu. Die knusprige Ente ist ebenfalls lecker. Bei dem großen Bier habe ich mich überschätzt, ein kleines hätte es auch getan. Auf dem Weg ins Kino liegt mir der halbe Liter Bier schwer im Magen.

Auf den Film (The Last Family; Ostatnia rodzina) freue ich mich. Er lief vor einem Monat an einem Sonntag in Hamburg, aber ich war leider anderweitig beschäftigt. Heute ist schönes Wetter, also gehe ich zu Fuß ins Kino, knapp 30 Minuten dauert der Spaziergang. Vor dem Kino (heute das FSK) steht eine lange Schlange. Ich habe Angst, nicht mehr reinzukommen. 2 Kolleginnen aus dem Workshop warten weiter vorne und sind bereits auf dem Weg in den Vorführraum. Sie sehen mich und winken mir zu, ich solle zu ihnen kommen, mit der Akkreditierung können wir trotz des überfüllten Kinosaals rein. Ich komme mir wichtig vor, setzte mein Gewinnerlächeln auf und schreite in Zeitlupe an den Wartenden vorbei. Jetzt nur nicht fallen, denke ich mir, das wäre peinlich.

Wir müssen auf dem unbequemen Boden sitzen. Mein knochiger Hintern schmerzt bereits nach wenigen Minuten, in immer kürzeren Zeitabständen ändere ich meine Sitzposition, aber ohne Erfolg. Ich fühle mich schlecht, weil ich das Ende des Films herbeisehne. Schlecht deswegen, weil der Film außergewöhnlich gut ist. Witzig, klug, traurig und immer perfekt inszeniert.

Auf dem Rückweg ins Hostel summe ich ununterbrochen das Lied aus dem Abspann. Ich kenne es, weiß im Moment aber weder den Titel noch Interpreten. Erst morgen werde ich herausfinden, dass es The Mortal Coil mit »Song to the Siren« ist. In meinem Zimmer angekommen, sehe ich, dass mein 5er Zimmer mit Hilfe eines Zustellbettes kurzerhand zu einem 6er Zimmer umgestellt wurde. Was solls, denke ich mir, sind ja nur noch 2 Nächte.


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