Radiobeitrag: „Sirenengesang“

„Sirenengesang“ ist eine Mischung aus Musical, romantischer Komödie, Erotik-, Horror- und Trashfilm. Eine absolut ungewöhnliche Geschichte, die das Leben zweier Schwestern in einem polnischen Tanzklub der 80er Jahre zeigt.

Das Besondere an den Schwestern: Sie sind Meerjungfrauen. Sobald Gold und Silber das Wasser verlassen, verlieren sie ihren Fischschwanz.

Im Tanzklub werden sie die neue Attraktion und bezaubern Künstler und Publikum. Schnell verliebt sich die blonde Silber in einen der Musiker.

Das Problem: Obwohl die beiden Meerjungfrauen einen weiblichen Oberkörper haben, ist ihre untere Körperhälfte geschlechtslos.

Nicht nur die fehlende Weiblichkeit macht Silber Probleme. Auch die Vorliebe ihrer Schwester, Männer aufzufressen.

Der erste lange Spielfilm der Regisseurin Agnieszka Smoczynska ist ein Wagnis. Für die oft blutrünstigen Szenen werden die Zuschauer mit poetischen Gesangseinlagen, glitzernden Bühnenshows und kunstvollen Kameraeinstellungen entschädigt.

So animalisch die Nixen in ihrer ursprünglichen Form, mit Fischschwanz und gelben Fangzähnen sind, so verführerisch unschuldig sind sie als zweibeinige Frauen.

Ausgezeichnet wurde „Sirenengesang“ unter anderem mit dem Spezialpreis der Jury des Sundance Filmfestivals.

 

„Polish Shit“: Willkommen im Punk-Rock-Zirkus

Dass man durchaus im Tourbus in ein Kondom pinkeln kann, lernt der Zuschauer von „Polish Shit“ gleich am Anfang des Films. Schnell geht es weiter, mit anderen Körperflüssigkeiten. Es wird gespuckt, gekotzt, gepinkelt, auf der Bühne, vor der Bühne, neben der Bühne und im Hotelzimmer.

Die gealterten Punk-Rock-Musiker der Band „Tranzystory“ lassen kein Rock’n’Roll-Klischee aus. Der harte Alkohol ist immer griffbereit, die Graspfeife steckt in der Hosentasche und auch junge Frauen gibt es reichlich für die Nacht nach dem Konzert.

Nach dem Pinkelexperiment der ersten Szene erfährt der Zuschauer, wie es zu der Männerfahrt im Tourbus kam. Es geht zurück zu den Tagen vor der großen Reise.

Die Mitglieder der ehemaligen Rockband „Tranzystory“ brauchen Geld. Da kommt Czeslaw Skandal gerade recht. Der Gerichtsvollzieher preist sich als großes Manager-Genie an und will den gealterten Punk-Rockern mit 50 Konzertauftritten und dem lange ersehnten ersten Album zu Ruhm und Reichtum verhelfen. Die Männer verlassen Familie und Freunde, setzen sich in den Tourbus und beginnen ihre Konzertreise durch Polen.

Polish Shit, Band

Dass Czeslaw Skandal alles andere als ein Manager-Genie ist, stellt sich schnell heraus. Der kleine, dicke Mann mit Schnurrbart verführt an jedem Ort eine junge Frau, schiebt sich zwischendurch ein Würstchen nach dem anderen in den Mund und schafft es zum Schluss, das eingenommene Geld im Spielcasino zu verspielen.

“Polish Shit” ist Kino, das den Zuschauer Tränen lachen lässt. Der Film ist herrlich grotesk, absurd und verrückt. Immer an der Grenze zum Ekelhaften, aber nie darüber. Ein ironischer Kommentar zu der polnischen Musikwelt, zur Punkszene und TV-Musikshows. Wunderbar inszeniert durch eingeschobene Musicalszenen. So tanzt sich Manager Skandal mit einer Gesangseinlage in Begleitung von glitzernden Showtänzern in die Herzen der Bandmitglieder, oder die harten Punk-Rocker singen über dem morgendlichen Rührei in sanften Tönen über ihr Leid.

Die Low-Budget-Produktion ist das Spielfilm-Debüt von Grzegorz Jankowski. Die Einflüsse der vorherigen Dokumentarfilmarbeiten des Regisseurs, sind auch in “Polish Shit” sichtbar. Immer wieder wird zu den Bildern der Kameras geschnitten, mit denen die Figuren ihre Fahrt dokumentieren. So erhält der Film neben der schnellen Rock-Musik auch im Bild etwas Unkonventionelles und Energiereiches.

Für Zuschauer, die die polnische Musikszene kennen, bietet der Film einige weitere Lacher. So werden die Bandmitglieder nicht von professionellen Schauspielern, sondern von in Polen bekannten Musikern wie Robert Brylewski oder Tymon Tymański gespielt.

Weitere Vorführung:

Samstag, den 23. April um 20:00 Uhr im Club der polnischen Versager

 

Radiobeitrag zur Eröffnung des 11. filmPOLSKA-Festivals

Anlässlich der Festival-Eröffnung des 11. filmPOLSKA machten sich die Jungjournalisten auf den Weg ins Babylon. Vor Ort haben sie die ersten Portionen Festivalatmosphäre eingeatmet, das Publikum zum gezeigten Film befragt und in erster Linie den Abend genossen.

Hier sind ihre Ergebnisse, aufbereitet als Radiobeitrag: