Radiobeitrag: Zwischen Wahn und Wahnsinn

Diese Sendung ist von allen guten Geistern verlassen. Konrad Szołajski dokumentiert den Kampf mit dem Teufel. Die bekannte Künstlerfamilie Beksiński kämpft mit dem Alltag im Warschauer Plattenbau. Unser Gast Sophia Freiheit stellt uns den Film The Last Family vor. Wie immer kommt auch unser Festivals-Publikum zu Wort und wir haben uns mit dem Regisseuren unterhalten.

 

Dieser Radiobeitrag ist im Rahmen des filmPOLSKA-Medienworkshops entstanden. Die Moderation wurde von Heike Brunner und Karl-Leontin Beger übernommen.

Radiobeitrag: Willkommen zur Therapiesitzung mit filmPOLSKA

Psychotherapie und Psychiatrie sind Themen dieser Sendung z.B. mit der „Crazy Woman“ der tschechischen Geschichte aus dem Film I, Olga Hepranova. Paweł Łoziński setzt mit seinem neuen Film You Have No Idea How Much I lLove You, Film als therapeuthisches Mittel ein.

Dieser Radiobeitrag ist im Rahmen des filmPOLSKA-Medienworkshops entstanden. Die Moderation wurde von Heike Brunner und Karl-Leontin Beger übernommen.

 

Hiob, oder Steppenwolf?

Las 4 Rano (Forest, 4am)

Tätowiert, massig, egoman, sportlich, sexuell aktiv, zugekokst. Der Boss einer Agentur lebt 2 Fast 2 Furious. Dann kommt der Crash. Forst gerät aus der Bahn, rasiert sich seine Designer-Frisur und reißt sich seinen fetten Ohrring aus. Er wird zum Eremit. Irgendwo im Wald lebt er mit seinem dreibeinigen Hund Kroko – wie Krokodil, erklärt er – unter wilden Tieren. Ihn verroht dieses Leben in der Wildnis. Er jagt wilde Hasen, Bieber und isst Kiefer-Eichel-Suppe. Eigentlich isst er alles. Sein kleiner Verschlag bietet alles Nötige für das einsame Leben. Eine Schlange windet sich zu seinen Füßen. Ein Eichhörnchen klettert auf ihm herum. Ein einsamer Wolf besucht ihn ab und zu.

Forest, 4 AM - Spiegel

Steppenwolf

Forst wird selbst zum Steppenwolf. Er ist dem Wahnsinn nahe, kämpft immer wieder mit Selbstmordgedanken. Wie in Herman Hesses Erzählung baut sich der Protagonist gedankliche Brücken, die ihn vor dem Selbstmord bewahren. Ein kleiner Lichtblick in seinem Leben ist die Prostituierte Nata. Die Beiden entwickeln ein freundschaftliches Verhältnis. Sie sind verspielt, beinahe kindlich miteinander. Sie teilen kurze Augenblicke, in denen sich ihr eigentliches Leben ganz weit entfernt. Diese kleinen Inseln sind die Höhepunkte des Films. Sie sind atmosphärisch stark und laden zum Träumen ein.

Forest, 4 am

Hiob

Jan Jakub Kolski ist bekannt dafür, existenzielle Themen zu behandeln. In Las 4 Rano (Forest, 4am) führt er nicht nur Regie sondern ist auch Kameramann und – zusammen mit dem Hauptdarsteller Krzystof Majchrzak – Co-Autor des Drehbuchs. Der Wald als Schauplatz ist gelungen inszeniert und atmosphärisch fotografiert. Die Kameraführung und Bildgestaltung überzeugen. Leider hinkt die Charakterzeichnung. In einem Augenblick ist Forst eine Hiobsfigur, im Nächsten wirkt er psychopathisch. Die Übergänge zwischen geduldiger Selbstaufgabe und Raserei sind nicht glaubhaft. Darunter leidet der Film. Hiob-Zitate als Zwischentitel wirken zu dick aufgetragen. Die psychologischen Motivationen der
Protagonist*innen sind wenig einleuchtend, dagegen sind die Kurzschlussreaktionen auf den Punkt und glaubhaft inszeniert. Viele gute Ideen machen Las 4 Rano zu einem sehenswerten Film.