Radiobeitrag: Zwischen Wahn und Wahnsinn

Diese Sendung ist von allen guten Geistern verlassen. Konrad Szołajski dokumentiert den Kampf mit dem Teufel. Die bekannte Künstlerfamilie Beksiński kämpft mit dem Alltag im Warschauer Plattenbau. Unser Gast Sophia Freiheit stellt uns den Film The Last Family vor. Wie immer kommt auch unser Festivals-Publikum zu Wort und wir haben uns mit dem Regisseuren unterhalten.

 

Dieser Radiobeitrag ist im Rahmen des filmPOLSKA-Medienworkshops entstanden. Die Moderation wurde von Heike Brunner und Karl-Leontin Beger übernommen.

Radiobeitrag: Geschichte mit bittersüßer Glasur

Dieser Beitrag porträtiert den Filmemacher Michał Rosa und seinen neuen Film The Happiness of the World. Das tragisch-komische Drama überzeugt mit seinen sympathisch-skurrilen Charakteren. Wir haben das Publikum befragt und den Regisseuren zum Interview getroffen.

Dieser Radiobeitrag ist im Rahmen des filmPOLSKA-Medienworkshops entstanden. Die Moderation wurde von Heike Brunner und Karl-Leontin Beger übernommen.

Radiobeitrag: Willkommen zur Therapiesitzung mit filmPOLSKA

Psychotherapie und Psychiatrie sind Themen dieser Sendung z.B. mit der „Crazy Woman“ der tschechischen Geschichte aus dem Film I, Olga Hepranova. Paweł Łoziński setzt mit seinem neuen Film You Have No Idea How Much I lLove You, Film als therapeuthisches Mittel ein.

Dieser Radiobeitrag ist im Rahmen des filmPOLSKA-Medienworkshops entstanden. Die Moderation wurde von Heike Brunner und Karl-Leontin Beger übernommen.

 

Radiobeitrag: United States of Love

United States of Love erzählt das Schicksal von vier polnischen Frauen in den Umbruchjahren um 1990. Der Film von Regisseur Tomasz Wasilewski gewann den Drehbuchpreis der diesjährigen Berlinale. Bei filmPOLSKA läuft er in der Sektion Neues Polnisches Kino.

Ein Beitrag und Gespräch mit Julia Kijowska:

 

Radiobeitrag: „Sirenengesang“

„Sirenengesang“ ist eine Mischung aus Musical, romantischer Komödie, Erotik-, Horror- und Trashfilm. Eine absolut ungewöhnliche Geschichte, die das Leben zweier Schwestern in einem polnischen Tanzklub der 80er Jahre zeigt.

Das Besondere an den Schwestern: Sie sind Meerjungfrauen. Sobald Gold und Silber das Wasser verlassen, verlieren sie ihren Fischschwanz.

Im Tanzklub werden sie die neue Attraktion und bezaubern Künstler und Publikum. Schnell verliebt sich die blonde Silber in einen der Musiker.

Das Problem: Obwohl die beiden Meerjungfrauen einen weiblichen Oberkörper haben, ist ihre untere Körperhälfte geschlechtslos.

Nicht nur die fehlende Weiblichkeit macht Silber Probleme. Auch die Vorliebe ihrer Schwester, Männer aufzufressen.

Der erste lange Spielfilm der Regisseurin Agnieszka Smoczynska ist ein Wagnis. Für die oft blutrünstigen Szenen werden die Zuschauer mit poetischen Gesangseinlagen, glitzernden Bühnenshows und kunstvollen Kameraeinstellungen entschädigt.

So animalisch die Nixen in ihrer ursprünglichen Form, mit Fischschwanz und gelben Fangzähnen sind, so verführerisch unschuldig sind sie als zweibeinige Frauen.

Ausgezeichnet wurde „Sirenengesang“ unter anderem mit dem Spezialpreis der Jury des Sundance Filmfestivals.

 

Kamerakünstlerin Karina Kleszczewska: „Manchmal braucht das Publikum eine Schock-Therapie“

 

Karina Kleszczewska gehört zu den wenigen Meisterinnen der Kamerakunst in Polen. FilmPOLSKA hat ihr und Jolanta Dylewska dieses Jahr einen Schwerpunkt gewidmet. Ein Gespräch über die manchmal notwendigen Schock-Momente im polnischen Kino und über das Selbstverständnis einer Kamerakünstlerin.

„Wie schwierig ist es als Frau in einem Männerberuf“? – Wie oft hören sie diese Frage und nervt Sie das? 

Ich spreche nicht gerne über dieses Thema, ich will nicht wie ein Opfer klingen. Es ist eben so. In der Filmbranche sind Kamerafrauen selten, auch oder besonders in Polen. Darüber aber nur zu reden würde auch nichts ändern.

Doch warum sind ihrer Meinung nach Kamerafrauen so selten? Was ist das größte Vorurteil?

Dass man körperlich stark sein muss, um eine Kamera bedienen zu können. Das ist aber nicht so. Das Filmen ist vielmehr eine Frage der Vorstellungs- und nicht der Muskelkraft.

Ein weiteres Vorurteil ist, dass das Filmen ein sehr technischer Beruf ist. 

Natürlich hat der Beruf als Kamerafrau viele technische Elemente. Aber ich selbst habe mich nie als Technikerin gesehen. Für mich war immer klar, dass ich Kunst machen möchte. Meine Arbeit habe ich immer kreativ verstanden.

Wie und warum haben Sie mit dem Filmen angefangen? 

Als ich etwa neun Jahre alt war, habe ich eine Fotokamera von meinem Vater geschenkt bekommen. Seitdem wollte ich immer Fotografin werden. Früher konnte man aber in Polen Fotografie nicht alleine studieren. Also musste ich quasi zum Film. Ich habe es aber nie bereut.

Aber Filmregisseurin wollten sie nie werden? 

Nein, daran hatte ich kein Interesse. Menschen, die Bilder machen, haben eine ganz andere Vorstellungskraft als die, die Geschichten erzählen. Regisseure sind eher Psychologen: sie spielen mit den Menschen, mit den Schauspielern, dem Team. Als Kamerafrau zu arbeiten ist für mich eine viel bessere Position. Ich erschaffe die Bilder, aber muss mich nicht mit den Produzenten oder den Schauspielern rumschlagen (lacht).

Welches Verhältnis haben Sie zu den Regisseuren? 

Das ist sehr unterschiedlich. In Polen haben die Kameramänner und -frauen eine sehr starke und wichtige Position. Aber das hängt sicher stark vom Regisseur oder auch vom jeweiligen Kamerakünstler ab. Wenn sich der Kameramann nicht so stark einbringen möchte in den kreativen Part, dann muss er das nicht. Dann kann er einfach tun, was ihm gesagt wird. Aber ich war nie so. Ich wollte mich schon immer von Anfang bis Ende in den Prozess einbringen.

In einem ihrer Filme „der Unbewegte Beweger“ geht es auch um eine Frau. Sie wird von einer Gruppe Männer vergewaltigt. Die Geschichte basiert auf einem wahren Fall, der in Polen als Sex-Skandal durch die Medien ging. Warum war Ihnen die Geschichte so wichtig? 

In Polen gibt es viele Menschen, die sagen, dass das Mädchen selbst Schuld an der Vergewaltigung ist. Sowas ist totaler Bullshit! Als in unserem Film die junge Frau auf der Polizeistation ist, um die Männer anzuzeigen, wirft man ihr auch vor, sie habe durch ihre freizügige Kleidung die Tat selbst provoziert. Wir wollten niemanden verurteilen, aber dem Publikum einen Spiegel vorhalten.

In dem Film nutzen Sie eine sehr explizite Bildsprache. Warum? 

Wir wollten die Menschen zum Nachdenken bringen. Dafür mussten wir das Publikum durch sehr eindeutige Bilder schocken. Die reale Geschichte ist so gewalttätig, darüber konnten wir keinen netten Film machen. Dabei sieht man die gewalttätigen Szenen gar nicht wirklich. Wir zeigen nur: Da ist ein Mädchen, sie wird vergewaltigt. Der Zuschauer sieht nur eine Nahaufnahme von ihrem Gesicht. Dabei stellen wir die Frage: Wie fühlst du dich, als du die Träne in dem Auge des Mädchens gesehen hast? Ich glaube anders hätte dieser Film nicht funktioniert. Dann wäre er nicht so energetisch.

„Polish Shit“: Willkommen im Punk-Rock-Zirkus

Dass man durchaus im Tourbus in ein Kondom pinkeln kann, lernt der Zuschauer von „Polish Shit“ gleich am Anfang des Films. Schnell geht es weiter, mit anderen Körperflüssigkeiten. Es wird gespuckt, gekotzt, gepinkelt, auf der Bühne, vor der Bühne, neben der Bühne und im Hotelzimmer.

Die gealterten Punk-Rock-Musiker der Band „Tranzystory“ lassen kein Rock’n’Roll-Klischee aus. Der harte Alkohol ist immer griffbereit, die Graspfeife steckt in der Hosentasche und auch junge Frauen gibt es reichlich für die Nacht nach dem Konzert.

Nach dem Pinkelexperiment der ersten Szene erfährt der Zuschauer, wie es zu der Männerfahrt im Tourbus kam. Es geht zurück zu den Tagen vor der großen Reise.

Die Mitglieder der ehemaligen Rockband „Tranzystory“ brauchen Geld. Da kommt Czeslaw Skandal gerade recht. Der Gerichtsvollzieher preist sich als großes Manager-Genie an und will den gealterten Punk-Rockern mit 50 Konzertauftritten und dem lange ersehnten ersten Album zu Ruhm und Reichtum verhelfen. Die Männer verlassen Familie und Freunde, setzen sich in den Tourbus und beginnen ihre Konzertreise durch Polen.

Polish Shit, Band

Dass Czeslaw Skandal alles andere als ein Manager-Genie ist, stellt sich schnell heraus. Der kleine, dicke Mann mit Schnurrbart verführt an jedem Ort eine junge Frau, schiebt sich zwischendurch ein Würstchen nach dem anderen in den Mund und schafft es zum Schluss, das eingenommene Geld im Spielcasino zu verspielen.

“Polish Shit” ist Kino, das den Zuschauer Tränen lachen lässt. Der Film ist herrlich grotesk, absurd und verrückt. Immer an der Grenze zum Ekelhaften, aber nie darüber. Ein ironischer Kommentar zu der polnischen Musikwelt, zur Punkszene und TV-Musikshows. Wunderbar inszeniert durch eingeschobene Musicalszenen. So tanzt sich Manager Skandal mit einer Gesangseinlage in Begleitung von glitzernden Showtänzern in die Herzen der Bandmitglieder, oder die harten Punk-Rocker singen über dem morgendlichen Rührei in sanften Tönen über ihr Leid.

Die Low-Budget-Produktion ist das Spielfilm-Debüt von Grzegorz Jankowski. Die Einflüsse der vorherigen Dokumentarfilmarbeiten des Regisseurs, sind auch in “Polish Shit” sichtbar. Immer wieder wird zu den Bildern der Kameras geschnitten, mit denen die Figuren ihre Fahrt dokumentieren. So erhält der Film neben der schnellen Rock-Musik auch im Bild etwas Unkonventionelles und Energiereiches.

Für Zuschauer, die die polnische Musikszene kennen, bietet der Film einige weitere Lacher. So werden die Bandmitglieder nicht von professionellen Schauspielern, sondern von in Polen bekannten Musikern wie Robert Brylewski oder Tymon Tymański gespielt.

Weitere Vorführung:

Samstag, den 23. April um 20:00 Uhr im Club der polnischen Versager